Ein karnevalistischer Frühlingsspaziergang auf Melaten


Der in diesem Jahr 200 Jahre alte Melatenfriedhof ist eine Oase mitten in der Stadt. 30 km Wege, viele alte Bäume und die verschiedensten Pflanzenarten, etliche Tiere – ein Refugium, das Ruhe und Besinnung bietet. Kurz nach Ostern, am 9. April 2010, ließen sich 14 Kayjass-Wiever der „Großen Allgemeinen KG von 1900 Köln e.V.“ (GA) auf Melaten bei einem karnevalistischen Rundgang die ersten Frühlingslüftchen um die Nase wehen.


Der Name „Melaten” basiert auf dem französischen Begriff „malade” = krank sein. Denn ab dem 12. Jahrhundert befand sich auf dem Gelände vor den Stadttoren ein Heim für Leprakranke, zu dem auch der Hof Melaten gehörte. Mit der französischen Besatzung 1794 änderte sich für die Kölner neben vielem anderen auch das Begräbniswesen. Denn 1804 erließ Napoleon das „Décret sur les sépultures”, welches zum Entsetzen der Kölner die Beerdigung in Städten, Dörfern und geschlossenen Gebäuden verbot. Vorbei war die Zeit der Bestattungen in Kirchen und auf dem Kirchhof. Die Stadtverwaltung kaufte ein Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenasyls und ließ die Gebäude abreißen. Nach langen Verzögerungen wurde 1810 der Melatenfriedhof durch den Dompfarrer Michael Joseph Dumont eingeweiht. Die Friedhöfe innerhalb der Stadt wurden geschlossen. Köln hatte einen zentralen Friedhof. Melaten ist, wie die anderen großen Friedhöfe in Deutschland, auf eine besondere Weise nicht nur ein Ort des Todes, sondern einer des prallen Lebens – und das macht seine Faszination aus. Mit Leben und Lebendigkeit sind nicht nur die Besucher gemeint, die hier spazieren gehen. Neben der Kunstgeschichte lebt hier vor allem die Sozialgeschichte, denn hier wurden mehrere Jahrzehnte alle bestattet, die Armen und die Reichen.


Die Kayjass-Wiever widmeten sich unter der Leitung des Stadtführers Edmund „Ede“ Tandetzki den auf Melaten bestatteten Karnevalisten. Viele bekannte Namen konnten entdeckt werden – ausschließlich Männer! Der Rundgang begann mit Ferdinand Franz Wallraf (1748 – 1824), der sich sehr für Melaten engagierte und seine reiche Kunstsammlung der Stadt Köln schenkte. 1823 wurde das Festordnende Komitee unter der Leitung von Heinrich Wittgenstein gegründet, dessen Familiengruft ebenfalls zu sehen war. Am 10. Februar desselben Jahres fand der erste Rosenmontagszug in Köln statt. Dies war die Zeit, in der „Held Karneval“ geboren wurde und auch der „Bellejeck“ sein Unwesen trieb. Erst 1883 wurde das Dreigestirn in der heute bekannten Zusammensetzung etabliert.


Die Grabstätten von Willy Ostermann, Thomas Liessem, Hans Johnen, Christian Reuter, Charly Niedeck, Jupp Schmitz, Hans-Horst Engels, Joseph Roesberg, Ferdinand Leisten sowie der Familien Kuckelkorn und Sartory folgten. Allen Mitgliedern der GA war dann natürlich Carl Umbreit – ab 1911 langjähriger Präsident der Gesellschaft – bekannt. Auch schillernde Persönlichkeiten, wie Horst Muys, der wie berichtet wurde, den Klingelpütz von innen kannte, sind auf Melaten beerdigt. Zu seiner Beerdigung drängten sich damals 5.000 bis 7.000 Menschen. Ob die Besucherinnen allerdings mit der letzten Ruhestätte des Studienrates Dr. Joseph Welsch die des echten „Lehrer Welsch“ sahen, ist bis heute umstritten.


Im Jahre 1981 wurde die Idee geboren, „Patenschaften” für historische Grabanlagen auf Melaten zu vergeben. Dabei geht es in erster Linie darum, die historische Substanz einschließlich der alten Inschriften zu bewahren. Einige Karnevalsgesellschaften haben bereits eine solche Patenschaft übernommen. Auch die Grabstätte „Familie King Size Dick“ ist ein solches Patenschaftsgrab.


Als das „Feierabendglöckchen“ des Friedhofes ertönte und die Kayjass-Wiever zum Verlassen des Friedhofes aufforderte, hatten die Besucherinnen das Grab von Willy Millowitsch noch nicht gesehen. Aber das ist ganz bestimmt ein Grund zum Wiederkommen!


Beate Müller

 

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