23. Städtereise der „Große Allgemeine KG von 1900 Köln e.V.“


„Nicht Sekt oder Selters, sondern Champagner“


Es ist inzwischen schon eine lange Tradition, dass die „Große Allgemeinen KG von 1900 Köln e.V.“ (GA) in jedem Jahr am letzten Augustwochenende ihre dreitägige Städtereise ver-anstaltet. So natürlich auch im Jahre 2010. Pünktlich um 8.30 Uhr am 27. August hieß es: Abfahrt wie immer von den Bächen mit dem fast schon legendären Busfahrer Heinz Ehwald. Sensationell die Teilnehmerzahl! Zügig ging es auf die Autobahn, der „normale“ Bus vorne-weg; die „Überzahl“ in einem Kölner Flitzer mit dem neuen Formel-GA Team Rosi und Wiethold Snyders am Lenkrad.


Während Petrus wieder einmal nachdachte, wie er es denn mit dem Wetter halten solle, gab es erst einmal ein zünftiges Frühstück an der Raststätte Lichtenbusch.


Danach hatte Petrus` Nachdenken ein Ende, er ließ Blitz und Donner vom Himmel und schüt-tete kräftig Wasser hinterher. Was sollte es, im Bus war es ja trocken.


Auf der Fahrt durch die belgischen Ardennen und nach Erreichen der französischen Grenze weiter durch das Hügelland der Champagne hatte Petrus kein Erbarmen. Es goss wie aus Ei-mern. Endlose Felder und Wiesen rechts und links der Autobahn, kleine Ortschaften und Ge-höfte, Reims kam in Sicht. Mitten in der Stadt die Türme der Kathedrale. Dann zeigte sich auf der Autobahn, dass das erste Ziel näher kam: „Les Villages Champagnoises“.


Während der Busfahrt gab es zur Einstimmung auf das Interessante, das vor den Reisenden lag, Informationen von den Mitgliedern Manfred Hähle zur Champagne und Champagnerher-stellung, von Franz Irsfeld über die Geschichte von Reims und die geschichtlichen Verbin-dungen zwischen Reims und Köln und von Dr. Eberhard Sievers zur Entstehung und den Wurzeln der Gotik sowie den Besonderheiten der Kathedrale von Reims.


Busfahrer Heinz Ehwald befand sich inzwischen auf der „Route Touristique du Champagne“ und fuhr durch kleine malerische Ortschaften mit Blumenschmuck an den Häusern zur Champagnerkellerei „Loriot Père & Fils“ in „Villers-Sous Chatillon“. Wie kommt eine Wein-traube in die Flasche? Herr Loriot führte die neugierigen Kölner durch den gesamten Betrieb und erläuterte die einzelnen Schritte der Champagnerherstellung. Das Probieren durfte dabei natürlich auch nicht zu kurz kommen. Deshalb traf sich die Reisegruppe nach der Führung durch Produktion und Kellerräume in der Probierstube bei den ausgewählten Champagnersor-ten Carte Or Brut, Carte Or Demi-Sec und Brut Rosé. Das Ehepaar Loriot und ihre Übersetze-rin wurden zum Dank mit einem Orden und einem dreifachen Kölle Alaaf für die interessante Führung belohnt.


Vom Probieren ging es zum Bestellen, vom Bestellen zum Abholen; der Bus wurde beladen, und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Nach dem Einchecken im „Hotel de la Paix“ in Reims klang der erste Tag mit einem gemeinsamen Abendessen aus.


Tag zwei: Der Samstag begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel und einem sich anschließenden Stadtrundgang. Die Sonne lachte vom Himmel. Zwei Führerinnen nahmen sich der Gruppe an. Die Informationen fingen an: Reims liegt im Zentrum der Champagne, die den weiten, flach gestuften Ostteil des Pariser Beckens einnimmt. Die Stadt befindet sich in einer Ebene am rechten Ufer der „Vesle“ Aus den Trauben der hiesigen Weinberge wird der Champagner hergestellt, nur hier.


Der Rundgang begann am Subé Brunnen, führte zu den historischen Gebäuden „Hotel de la Salle“ und „Hotel Le Vergeur“, weiter zum Rathaus mit dem reitenden König Ludwig XIII im Giebelfries und zur „Place du Forum“. Das ist das Herz dieser galloromanischen Stadt. Weiter ging es zur „Place Royal“ mit dem Standbild Ludwigs XV. Dieser so genannte „Königliche Platz“ ist das eigentliche Zentrum der Stadt, denn hier kreuzten sich die beiden Hauptachsen der römischen Stadtplaner, der „cardo“ und der „decumanus“. Die Stadtführerinnen gaben unterwegs noch viele weitere Informationen zur Stadtgeschichte und zur Architektur. Höhepunkt der Führung war dann die Besichtigung der Kathedrale Notre-Dame de Reims. Baugeschichte, Kunst, Architektur und die neuen Buntglasfenster von Marc Chagall konnten verinnerlicht werden. Das war eine wirkliche Krönung des Rundganges durch Reims.


Nach dem Mittagessen im Hotel folgte der nächste große Programmpunkt, Besichtigung der „Champagner-Kellerei Pommery“. Die Kellerei wurde 1836 gegründet. 1874 kreierte Louise Pommery einen völlig neuartigen Champagner, den „Brut Champagner“ und weihte 1878 das neue Weingut ein, einen Neubau im elisabethanisch-neogotischen Baustil. Die Gebäude stehen auf 120 Kreidebrüchen aus galloromanischer Zeit – mehr als 2000 Jahre sind diese Krei-debrüche alt. Madame Pommery hatte damals die geniale Idee, diese Kreidebrüche über 18 Kilometer lange Stollen miteinander zu verbinden. Die Champagnerkeller waren entstanden. 116 Stufen führten die Reisegruppe 30 Meter unter die Erdoberfläche in die kathedralenähnlichen Gewölbe und unendlichen Gänge zu den Schätzen des Hauses Pommery, 25 Millionen Flaschen.


Laufen macht durstig, Erklärungen machen neugierig. So wurde auch diese Führung mit einer Kostprobe gekrönt. Und selbstverständlich wurde auch hier die Verbindung zwischen Reims und Köln aufgefrischt, die Führerinnen wurden mit dem GA-Orden ausgezeichnet.


Auf eine Zeit zur freien Verfügung in Reims folgte das Galaessen im Restaurant Flo, einer alten Jugendstilvilla in der Altstadt von Reims.


Tag drei: Nach dem Frühstück: Öl – kein Champagner! Letzter großer Programmpunkt, das Automobilmuseum von Reims! Wer denkt, dass Reims nicht unbedingt etwas mit Automobi-len zu tun hat, weit gefehlt. Im Jahr 1905 beschlossen Albert Rayet und Emile Lienart in Reims eine Fabrik aufzubauen und Automobile zu entwickeln. S.C.A.R. – Societé de Con-struction Automobile de Reims – wurde am 8. Mai 1906 geboren, das erste Modell, der 18/20 HP mit vier Zylindern, verließ im Juni des gleichen Jahres die neue Fabrik.


Der Designer Philippe Charbonneaux schuf dann 1985 das Automobilmuseum Reims, das heute einen Bestand von privaten Sammlern, vor allem eine Zeitreise durch die französische Automobilgeschichte, präsentiert. Hier wurde so manche Erinnerung an frühere eigene Fahr-zeuge aufgefrischt.


Die schöne Zeit ging zu Ende. Die Heimreise begann. Zuerst brachte der Bus die Reisenden zum Mittagessen ins Restaurant „La Table de Sandorine“ in Rethel. Es folgte die Weiterfahrt nach Köln. Petrus ließ es wieder schütten. Regen, kein Champagner. Es überraschte kaum: Niemand schenkte den Städtereisen Glauben, wenn sie berichteten, dass zwischen Hinfahrt und Heimreise das schönste Wetter herrschte. Na ja, wenn Engel reisen, … !


Eberhard Sievers

 

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