Kostümsitzung in der Börse


Alles geht einmal zu Ende, auch die Ära der „Großen Allgemeinen KG von 1900 Köln e.V.“ (GA) in der Börse. In der kommenden Session wird die GA ihre Samstagsitzung auf einen Freitag verschieben und nach Mülheim in die Stadthalle umziehen müssen, da der Börsensaal saniert und umgebaut wird. Bleibt zu hoffen, dass die Gäste der GA dafür Verständnis haben und mit „umziehen“.

Die Voraussetzungen dafür wurden in der Kostümsitzung am Samstag, dem 13. Februar 2010, geschaffen: ein herrlich geschmückter Saal mit Hunderten verkleideter Jecken, ein Spitzenprogramm und ein gut aufgelegter Präsident mit gemischtem Elferrat. Die ganze Truppe präsentierte sich als Clowns , individuell kostümiert und geschminkt. Alle strahlten um die Wette und versprühten schon gleich zu Beginn viel gute Laune, die direkt in den Saal überschwappte.

Mit den „Bröhler Falkenjägern“ hatte Literatin Brigitte Normann zum festlichen Einzug ein sympathisches Korps verpflichtet. Von Herzen kommende Worte des Kommandanten und gute Tanzeinlagen mit Gesang versprachen dem erwartungsvollen Publikum einen ereignisreichen Abend.

Die „Paveier“ standen zu dieser Zeit schon im Foyer und warteten auf ihren Auftritt. Einige „Pflasterer“ guckten sich schon mal im Saal um und freuten sich über das disziplinierte und aufmerksame Publikum (Sie kamen nämlich gerade aus der Köln-Arena!). Mit ihren schönen Kölner Liedern hatte die Gruppe dann auch wirklich leichtes Spiel. Das Publikum sang und schunkelte begeistert mit.

Für Marc Metzger, durch einen Virus lahmgelegt, war kurzfristig mit dem „Rumpelstilzje“ Fritz Schopps eine hervorragende Vertretung gefunden worden. Sein Vortrag kam gut an. Redner seiner Qualität vermisst man oft, und deshalb gab es dann auch schon die erste „Rakete“ des Abends.

Pünktlich um 20.00 Uhr stand das diesjährige Dreigestirn auf der Bühne; der 15. von insgesamt 18 Auftritten nur an diesem Tag. Die drei gaben alles: Gesang und Vortrag, Spange für den diesjährigen Bellejeck Ludger Brackmann und ein paar entschuldigende Worte wegen des etwas verkürzten Termins im Pullman-Hotel an Weiberfastnacht beim „Wecken der Jecken“.

Die zweite bekannte Kölner Musikgruppe des Abends, die „Räuber“, übernahm nach dem Auszug des Trifoliums die Unterhaltung des Publikums. Jeder im Saal kannte nicht nur die Melodien, sondern auch gleich die Texte mit allen Strophen. Deshalb gab es einen minutenlangen gemeinsamen Chorgesang, der allen sichtlich Spaß bereitete.

Anschließend zeigte die Traditionstanzgruppe „HKM“ oder besser:“Hellije Knäächte un Mägde“ wieder einmal, warum sie zu dem Besten gehört, was der kölsche Fasteleer in puncto Tanzgruppen aufzubieten hat. Nach einer vom Publikum gewünschten Zugabe, die gerne gegeben wurde, entließ Präsident Hans-Peter Vogel die Freunde der GA in die Pause.

Die „Flöhe“, so heißt die Kindertanzgruppe der „Große Allgemeinen“, eröffneten die zweite Halbzeit. Immer wieder hörte man im Saal und auch später im Foyer Erstaunen über den rasanten Fortschritt dieser wirklich toll anzusehenden Truppe. Die ersten Sprünge und Hebefiguren saßen perfekt. Das Training unter Anna Sahm, die ja selbst noch aktiv bei der „Luftflotte“ tanzt, zahlt sich immer mehr aus. Sichtlich stolz auf seine „Kinder“ war der Präsident, konnte er doch just an diesem Tag auch noch den 18. Geburtstag seines eigenen Sohnes Thomas feiern. Natürlich steuerte auch das Publikum in Form eines Ständchens seinen „Herzlichen Glückwunsch“ bei.

Im Anschluss daran hatte Wicky Junggeburth, selbst einmal Prinz im Kölner Karneval, keine Probleme, seine Lieder, auch die ganz leisen Töne, dem aufmerksamen Publikum darzubieten. Unvergessen das Liedchen über den Caravanfahrer, der den ganzen Verkehr aufhält oder das neue Lied über die Traditionsgesellschaften im Kölner Karneval. Nach mehreren Zugaben ließ die GA die „Sterne kreisen“, eine besondere musikalische Art der Ehrung für verdiente Künstler.

Bernd Stelter stürmte die Bühne und brachte nicht wenige Frauen und Mädchen in „seelische Bedrängnis“. Bei so viel Charme kein Wunder! Im Foyer standen ganze Gruppen jeden Alters und warteten geduldig auf ein Autogramm: Hauptsache, der eigene Namen wurde von ihm richtig geschrieben. Sein neues diesjähriges Lied: „Glitzer im Gesicht“ scheint sich zu einem Ohrwurm zu entwickeln. Im Kölner Sitzungskarneval ist Bernd Stelter inzwischen eine feste Größe, die nicht mehr wegzudenken ist. Rakete und Tusch für den sympathischen Künstler waren der verdiente Lohn.

Ihm folgte auf der Bühne eine Frau, und was für eine: “Achnes Kasulke“. Als urkomische Putzfrau erzählte sie von den vielen, nicht erfolgreichen Diäten, von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter, von all den kleinen Widrigkeiten des täglichen Lebens. Liebenswert, manchmal auch bewusst etwas zweideutig, mit urkomischer Mimik schlurfte sie über die Bühne, ihren Schrubber und Eimer immer hinterherziehend. Das Publikum hatte seinen Spaß.

Es war schon 23.30 Uhr, als die Tanzgruppe „Höppemötzjer“ die Jecken im Saal nochmal zum Staunen brachte. Akrobatische Tanzeinlagen, gewagte Schrittkombinationen – dabei strahlende Gesichter – vermittelten eine Leichtigkeit, die kaum zu erklären ist. Man konnte nur erahnen, wie viel Kraft und Disziplin nötig ist, um solche Höchstleistungen zu vollbringen.

Viele Feiernde im Saal hatten schon mit Spannung auf die Schlussnummer dieser wirklich gelungenen Sitzung der GA gewartet: „Domstädter un Fründe“. Wie immer war die Bühne viel zu klein, um alle Musikanten aufzunehmen. Diese verteilten sich vor, neben und hinter der Bühne: zwei Dirigenten, original schottische Dudelsackpfeifer, Blasorchester, Trommler. Der Saal bebte, Glückseligkeit und Melancholie machten sich breit, vor allem bei so bekannten Stücken wie: „Du bes ming Stadt“, „FC-Hymne“ und „Amazing Grace“. Die Tills, das lebende Bühnenbild der GA, Hunderte von Luftballons in den Farben der Gesellschaft verteilend und die inzwischen etwas abgedunkelte Saalbeleuchtung erzeugten einfach Gänsehautfieber! Präsident Hans-Peter Vogel hatte Mühe, gegen ein Uhr morgens die Sitzung zu beenden. Die begeisterten Gäste feierten anschließend im Foyer bei „Schädelmusic“ weiter bis in den frühen Morgen. Das allgemeine Fazit war: eine der schönsten Sitzungen der ganzen Session!

Anne Gelb-Wintrich

 

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