Elferratstour 2008


Jedes Jahr zwischen den Sessionen treffen sich die Elferräte der Großen Allgemeinen mit ihren Partner(innen) zur traditionellen Elferratstour. So natürlich auch im Jahre 2008, und zwar am 24. August auf dem Neumarkt. Anne Gelb-Wintrich hatte die Organisation übernommen und niemandem verraten, was sie geplant hatte. Man könnte diese Elferratstour 2008 demnach auch als die zweite „Fahrt ins Blaue“ bezeichnen.


Um 10.18 Uhr starteten 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Linie 18 nach Brühl – Mitte. Dort stießen noch acht privat „Angereiste“ dazu. Nach einem kurzen Fußmarsch zur Uhlstraße erlebten die „GA-Touristen“ eine Stadtführung der ganz besonderen Art.


Von allerlei Weibervolk“ war der Titel dieser außergewöhnlichen, ganz anderen Führung, bei der sechs Stadtführerinnen auf humorvolle Art und Weise, schauspielerisch brillant und äußerst beeindruckend vom Leben Brühler Frauen im Wandel der Jahrhunderte erzählten. Dabei brachten sie den von diesen Darstellungen faszinierten Elferräten sechs verschiedene Themenkreise nahe.


1. Krüge, Schüsselen, Silber-pfennige: Zu Beginn des Rundganges erzählte Marie-Luise Sobczak in der Rolle der Töpferin Maria Crucherer aus dem Jahr 1520 von ihrer Arbeit und vom täglichen Einerlei ihrer Familie, von den großen Problemen ihrer Zeit und der Stadt. Von hier aus führte der Weg weiter zum Markt.


2. Kappes, Schavu, Zellerei: Am Markt erwartete Ria Rother als einfache Bauersfrau Billa Krautwig aus dem Jahr 1899 die Gruppe. Sie berichtete über ihren ländlichen Alltag an einem normalen arbeitsreichen Markttag, aber auch über den Argwohn gegenüber vielen „neumodischen“ Erscheinungen, wie z.B. dem „feurigen Elias“, der damals durch Brühl fuhr und am Markt hielt. Sie führte die Gruppe weiter zur katholischen
Pfarrkirche St. Margareta.


3. Kerker, Folter, Scheiterhaufen: Hier erzählte Ingrid Kruft als Kuhmagd Anna Schmitz anschaulich, wie sie verleumdet, angezeigt, in den Kerker geworfen und der Zauberei und Hexerei angeklagt wurde. Nach grausamer Folter lautete das Urteil: „Tod durch Verbrennen!“ Sie starb am 1. Dezember 1604 auf dem Scheiterhaufen.


4. Religion, Pflicht, Ordnung: Die quirlige Pfarrersfrau Luise Frickenhaus, geb. Hoffmann – dargestellt von Sabine Hittmeyer-Witzke -berichtete anschließend vom Gemeindeleben im Jahre 1900 und über die Schwierigkeiten beim Bau der neuen evan-gelischen Kirche. Als Gattin des evangelischen Pfarrers Richard Frickenhaus half sie an allen Ecken und Kanten. Beim Zusammentreffen von Protestanten und Katholiken hatte sie alle Fäden in der Hand. Selbst in der Schule gab sie den Takt an. Das spürten auch die Elferräte, als sie gemeinsam mit der Pfarrersfrau vor der evangelischen Kirche und in der Nähe des Brühler Schlosses das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud …“ singen „dürfen mussten“.


5. Festessen, Fächersprache, Flohbisse: Vor dem Brühler Schloss berichtete dann Henriette de Boissieux, Gattin des französischen
Sonderbotschafters am kurfürstlichen Hofe, vom Leben und vom Zeitvertreib des Adels in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Vom Hof aufwändig inszenierte Bauernhochzeiten, bei denen „das einfache Volk“ nur zusehen durfte, üppige Soupers und die „Fächersprache“ der edlen Damen – heute nennen wir das „Flirt“ – waren einige Themen ihrer Ausführungen. Aber auch zu enge Mieder, höfische Etikette und Flohbisse fanden Erwähnung. Dargestellt wurde diese Adelige von Petra Lentes-Meyer.


6. Kunst, Dada, Eheleben: Am Schlosstor erwartete schließlich Louise Straus, Studentin der Kunstgeschichte und Lebenspartnerin des Dada-Künstlers Max Ernst, die GA-Gruppe. Ihre Darstellerin Anja Broich berichtete, wie sie ihren Dada-Max kurz vor dem Ersten Weltkrieg kennen- und lieben lernte, wie sie mit ihm Höhen und Tiefen einer Künstler-Ehe erlebte und wie sie mit ihm Mittelpunkt von „Dada-Köln“ war.


Bedingt durch den ganz anderen Verlauf dieser besonderen Stadtführung war auch Präsident Hans-Peter Vogel mehr gefordert als sonst. Er musste nämlich sechsmal Dankesworte aussprechen, sechsmal den Orden der Gesellschaft zücken, sechsmal den „Alaaf-Chor“ der Elferräte dirigieren und – wohl das Schönste – er musste sechsmal „bütze“. Beim „Bütze“ musste er sogar mehrfach Wiederholungen vornehmen, da „Fotograf“ Karl Krämer nicht immer schnell genug war (echt oder abgesprochen?).


Nach diesen sechs exzellenten Präsentationen meldeten sich die Mägen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Aber auch daran hatte Anne Gelb-Wintrich gedacht. Ein kurzer Fußmarsch führte zum „Gourmerant – In der Villa“. In diesem liebevoll restaurierten Restaurant mit historischen Wurzeln hatte die Organisatorin für einen opulenten Brunch gesorgt. Nach dem Begrüßungs-Sekt standen kalte und warme Köstlichkeiten in reichhaltiger Auswahl zur Verfügung. Nach dem Essen bedankte sich Präsident Hans-Peter Vogel bei Anne Gelb-Wintrich für die hervorragende Organisation dieser Tour. Präsidentengattin Ulla Vogel überreichte ein gemeinsames Präsent der Elferräte. Auch den Elferräten selbst sprach der Präsident seinen herzlichen Dank für ihren Einsatz bei den Veranstaltungen in der Session aus. Bei anregenden Gesprächen und Rückblicken auf diesen außergewöhnlichen Tag in Brühl verging die Zeit im Fluge, bis sich die GA-Touristen nach und nach auf den Heimweg begaben.


Bernd Tewes

 

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